Dietmar Cornelissen mit Trampeltier Safira
Trampeltiere Safira, Kiana und Omar

Für jedes Tier ein ganzes Team

 Tierpflegende, Tierärzte, Gärtner, Handwerker, Forschende, Pädagogen: In wissenschaftlich geführten Zoos sorgen Menschen aus Dutzenden Berufen gemeinsam für Tierwohl, Artenschutz, Forschung und Bildung – oft lange bevor die ersten Gäste kommen und natürlich auch am Welttierschutztag.

Um acht Uhr ist es im Tiergarten Kleve noch still. Dietmar Cornelissen schließt die Tür in den Stall der neuen Welt der Trampeltiere auf, begrüßt Trampeltierhengst Omar mit seinen drei Stuten und schaut genau hin: Hat das Tier gefressen? Bewegt es sich wie gestern? Ist es aufmerksam? „Wir Tierpfleger/-innen sehen schon am Gang, ob etwas nicht stimmt“, sagt Dietmar Cornelissen, seit 33 Jahren Tierpfleger im Tiergarten Kleve. Beobachtungen wie diese stehen am Anfang eines Arbeitstages in einem modernen Zoo, von dem Besucherinnen und Besucher kaum etwas mitbekommen.
So oder ähnlich beginnt der Morgen in den 71 wissenschaftlich geführten Zoos im Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien. Rund 41 Millionen Gäste besuchen diese Zoos im Jahr. Sie kommen wegen der Tiere. Was sie selten sehen: das große Team, das sich für die Tiere einsetzt.
Vor fast 100 Jahren wurde am 4. Oktober der Welttierschutztag ausgerufen, um auf die besondere Verantwortung der Menschen für die Tiere aufmerksam zu machen. In den Zoos ist das gelebte Realität – an jedem Tag im Jahr.

Von der Futterküche bis zur Werkstatt

Tierpflegende begleiten ihre Tiere oft über viele Jahre und kümmern sich tagtäglich um das Wohl ihrer Schützlinge. Tierärztinnen und Tierärzte behandeln am Vormittag einen Roten Panda und am Nachmittag einen Seidenreiher, kümmern sich um Impfungen und überwachen die Gesundheit der Tiere. Biologinnen und Biologen planen, welche Tiere genetisch gut zusammenpassen und wie ein Lebensraum im Zoo gestaltet sein muss, damit die Bedürfnisse der tierischen Bewohner erfüllt sind. Gärtner pflegen den teils sehr alten Baumbestand auf dem Gelände oder schneiden Futter in den zooeigenen Bambusplantagen. Handwerker/Innen bauen Kletterbäume, Futterkisten und Rückzugsorte. Zoopädagogen zeigen Schulklassen, wie ein Tier lebt und erklären warum es im natürlichen Lebensraum bedroht ist. Dazu kommen Haustechnik, Verwaltung, Kasse, Gastronomie und viele mehr. VdZ-Zoos schaffen über 7.000 Arbeitsplätze im deutschsprachigen Raum.
„Seit nunmehr vier Jahren verfolgen wir mit unserem Masterplan „Tiergarten Kleve 20+“ das ambitionierte Ziel, den Tiergarten Kleve konsequent zu einem modernen Natur- und Artenschutzzentrum umzubauen und unseren Tieren noch bessere Lebensbedingungen zu bieten“, berichtet der Klever Tiergartenleiter Dr. Martin Polotzek. „So sind in den letzten Jahren u.a. mit der Welt der Trampeltiere, der Westernstadt der Präriehunde und dem Reich der Roten Pandas neue Lebensräume für unsere Tiere entstanden, die in toller Teamarbeit von Tierpflege, Handwerk, Garten, Ehrenamtler sowie externen ExpertInnen geschaffen wurden. So haben wir beispielsweise auch für unsere Roten Pandas eine Beneblungsanlage installiert, die an heißen Sommertagen für angenehme Kühle sorgt, oder eine eigene Bambusplantage in Kleve erschaffen, damit wir unsere Roten Pandas so naturnah wie möglich ernähren können.“
„Tierwohl entsteht nicht auf dem Papier, sondern wird jeden Tag gelebt. Es brauch ein Team von gut ausgebildeten Menschen – im Stall, in der Werkstatt, im Management und in der Verwaltung“, sagt Volker Homes, VdZ-Geschäftsführer. „Um die Aufgaben der Zoos umzusetzen brauchen wir Expertinnen und Experten mit sehr unterschiedlichen Berufen, die das gemeinsame Ziel haben: Den Tieren geht es gut! Wir lernen jeden Tag mehr über sie und geben dieses Wissen und die Begeisterung auch an unsere Besucher weiter. Und wir teilen es mit einem großen globalen Netzwerk mit vielen aktiven Partnern, denn nur gemeinsam können wir bedrohte Arten schützen.“

Tierwohl entsteht nicht auf dem Papier, sondern wird jeden Tag gelebt.

Lernen, forschen, staunen

Für viele Menschen ist der Zoo der erste Ort, an dem sie einem Nashorn, einer Eule oder einem Tiger gegenüberstehen. Oder es ist die seltene Gelegenheit, einem Tier nahe zu sein, beispielsweise eine Ziege zu streicheln oder zu füttern. Zoopädagoginnen und Zoopädagogen machen daraus Unterricht zum Anfassen, mit Führungen, Schulprogrammen und Projekttagen. Jährlich nehmen rund 1,2 Mio. Zoobesuchende an über 170.000 speziellen Bildungsangeboten der VdZ-Zoos teil.
„Auch unser zoopädagogisches Angebot haben wir in den letzten Jahren konsequent ausgebaut und erweitert“, berichtet Klever Tiergartenleiter Dr. Martin Polotzek. „So konnten wir allein im vergangenen Jahr 3.600 Personen in unseren kostenpflichtigen zoopädagogischen Programmen erreichen. Außerdem konnten wir Wissen über unsere Schützlinge an tausende Gäste im Rahmen unserer kostenlosen Schaufütterungen sowie unseren zahlreichen Infoständen vermitteln. Wenn sie danach wissen, wo die entsprechende Tierart in der Natur lebt, warum es bedroht ist und wie man es schützen kann, haben wir einen wichtigen Beitrag geleistet.“
Auch die Forschung lebt von Zusammenarbeit. Gemeinsam mit Hochschulen und weiteren Forschungseinrichtungen untersuchen Zoos etwa Verhalten, Ernährung oder Tiermedizin. Die Erkenntnisse helfen den Tieren im Zoo und oft auch ihren Artgenossen in der Natur. Die VdZ-Zoos wirken jährlich an rund 200 wissenschaftlichen Studien mit.
„In den vergangenen Jahren haben wir in verschiedensten Forschungsprojekten mit Hochschulen und Universitäten aus dem In- und Ausland erforscht, die Seehunde lernen, wann Rüsselspringer ihren Eisprung haben oder warum Stachelschweine in unseren Zoos immer älter werden“, so Dr. Polotzek.

Teamarbeit als Brücke zwischen Zoo und Natur

Mehrere hundert wissenschaftlich geführte Zoos in ganz Europa stimmen sich ab, welche Tiere in welchem Zoo leben und Nachwuchs bekommen. So bleiben gesunde, genetisch vielfältige Bestände bedrohter Arten erhalten. Was das bewirken kann, zeigen Tiere wie der Europäische Wisent, der Luchs, der Feldhamster, das Przewalskipferd, der Gänsegeier, der Waldrapp, die Europäische Sumpfschildkröte und noch viele weitere, die wieder in ihrem ursprünglichen Lebensraum angesiedelt werden können. Dabei arbeiten Zoos eng mit Universitäten, Naturschutzorganisationen und Behörden zusammen und unterstützen Schutzprojekte vor Ort.
59 Millionen Euro haben VdZ-Zoos alleine in den vergangenen fünf Jahren in Natur- und Artenschutzprojekte weltweit investiert. Jährlich wildern sie in gemeinsamen Projekten rund 500 Tiere aus rund 20 gefährdeten Tierarten in Europa aus und zusätzlich über 230.000 Insekten, Amphibien und Fische. Und sie engagieren sich mit Personal, Expertenwissen und Sachspenden in mindestens 155 Projekten in 55 Ländern weltweit.
„Im Rahmen unseres Artenschutz- und Ausbaueuros fließt mit jeder verkauften Eintrittskarte ein zweckgebundener Betrag in den Artenschutz“, so Dr. Polotzek. „Mit diesem Geld konnten wir nicht nur dafür sorgen, dass weniger Zweifarbtamarine in Brasilien überfahren werden, sondern auch ein neues Überwinterungsquartier für einheimische Fledermäuse im Kreis Wesel finanzieren.“
„Heute sind viele Mitglieder des VdZ Teil des Netzwerks der Weltnaturschutzunion IUCN und Experten aus Zoos leisten einen direkten Beitrag zur Arbeit der IUCN-Kommission für das Überleben gefährdeter Arten. Durch diese Zusammenarbeit unterstützen das Wissen und die Fachkompetenz der Zoogemeinschaft den Artenschutz sowohl in der Wildnis als auch durch die Haltung bedrohter Tierarten“, sagt Her Excellency Razan Khalifa Al Mubarak, IUCN-Präsidentin. „Der Verband der Zoologischen Gärten spiegelt dieses Engagement wider. Die Zoos dieses Verbandes begrüßen jedes Jahr Dutzende Millionen Besucher, leisten Beiträge zur wissenschaftlichen Forschung und unterstützen Schutzprojekte auf der ganzen Welt. In einer Zeit, in der der Verlust der biologischen Vielfalt eine der größten modernen Herausforderungen darstellt, sind Partnerschaften wie diese wichtiger denn je.“

 

Quelle: Die genannten Zahlen stammen aus den regelmäßigen Abfragen unter den 71 VdZ-Zoos https://vdz-zoos.org/ueber-uns/faktenblatt

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